Deutschlands Städte im Check: So hat sich die Anwaltsbranche entwickelt
12/08/2026
Ob in den Fachbereichen, bei den Vornamen und den Standorten: Deutschlands Anwaltschaft befindet sich im Wandel. Das geht aus einer Analyse der führenden juristischen Lernplattform Jurafuchs hervor. Dabei wurden insgesamt 189.394 Einträge aus dem Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer im Hinblick auf die 200 größten deutschen Städte, Namen und Titel analysiert und mit den Vorjahreszahlen verglichen. Demnach stieg der Frauenanteil unter Deutschlands Anwälten leicht an. Zudem hat sich die Zahl der Juristinnen und Juristen je nach Standort und Fachbereich teils deutlich verändert.
So hat sich die Anzahl an Anwälten in den Städten entwickelt
Frankfurt am Main führt mit durchschnittlich 17,07 Anwälten pro 1.000 Einwohner zwar erneut das Ranking der Anwalts-Hochburg an, gefolgt von Düsseldorf (14,89) und München (11,88). Das größte Plus an Anwälten verzeichnet hingegen das im Schwarzwald gelegene Lahr: Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl an Anwälten in der Stadt um 14,5 Prozent an.
Einen deutlichen Zuwachs an Anwälten verzeichnet auch das nordrhein-westfälische Viersen mit einem Plus von 7,6 Prozent und das niedersächsische Nordhorn (+7,1 Prozent). In Delmenhorst (+6,8 Prozent) und Ravensburg (+5,6 Prozent) sind ebenfalls mehr Juristinnen und Juristen tätig als noch im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Bundesschnitt ist die Anzahl an Anwälten um 0,6 Prozent angestiegen.
Anzahl an Anwälten in über der Hälfte aller Städte rückläufig
Es gibt aber auch Städte, in denen die Zahlen zurückgehen. Besonders deutlich ist der Rückgang im rheinland-pfälzischen Neustadt an der Weinstraße, wo die Anzahl an Anwälten seit dem Vorjahr um 15,5 Prozent zurückgegangen ist. Ähnlich stark fällt der Rückgang in zwei norddeutschen Städten aus: In Emden ging die Zahl der Anwälte um 11,8 Prozent zurück, im nahegelegenen Wilhelmshaven um 10,8 Prozent. Langenfeld und Frankfurt (Oder) folgen mit einem Minus von jeweils 9,1 Prozent. Insgesamt ist die Anzahl an Anwälten in 102 der 200 untersuchten Städte zurückgegangen.
Rechtswesen wird weiblicher
Im Hinblick auf die Geschlechterverteilung sind aktuell 39,1 Prozent aller Anwälte weiblich. Vor einem Jahr lag die Frauenquote laut Jurafuchs-Analyse noch bei 38,7 Prozent. Besonders in Dorsten (+12,7 Prozent), Wilhelmshaven und Dormagen (je +12,2 Prozent) ist der Anteil an weiblichen Anwälten angestiegen. Deutlich gesunken ist die Frauenquote hingegen in Ludwigshafen (-26,9 Prozent) und Cuxhaven (-11,7 Prozent).
Insgesamt bleibt Sindelfingen mit 47,2 Prozent die Stadt mit dem höchsten Anteil an weiblichen Anwälten, gefolgt von Unna und Elmshorn mit einer Frauenquote von 45,5 bzw. 44,6 Prozent. Am unteren Ende der Skala bleiben die Schlusslichter wie 2025 gleich: In Bad Kreuznach und Wolfenbüttel liegt die Quote bei jeweils 20,2 Prozent, in der Universitätsstadt Greifswald bei 21,6 Prozent – nur rund halb so hoch wie bei den Spitzenreitern.
Diese Fachbereiche erleben einen Boom
Je nach Fachbereich, in dem sich Deutschlands Anwälte spezialisiert haben, gibt es im Vorjahresvergleich teilweise deutliche Veränderungen. Deutlich im Plus liegt das Vergaberecht mit 6,6 Prozent. Einen großen Sprung macht auch das Insolvenz- und Sanierungsrecht, das Unternehmen in wirtschaftlichen Krisen rechtlich zur Seite steht: Die Zahl der darauf spezialisierten Fachanwälte wuchs um 5,2 Prozent. Ein möglicher Auslöser: Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025 um 10,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit verzeichnen besonders die Fachbereiche der lukrativen Wirtschaftsrechtsgebiete einen Zuwachs. Doch auch gesellschaftliche Entwicklungen spiegeln sich wider: Die Zahl der Fachanwälte für Migrationsrecht nahm um 4,5 Prozent zu.
Einen leichten Rückgang gibt es hingegen im Familienrecht und im Sozialrecht: Verglichen mit den Zahlen von 2025 ist die Anzahl an Fachanwälten für Familien- und Sozialrecht um jeweils 1,9 Prozent gesunken. Beide Bereiche gehören in der Regel zu weniger lukrativen Feldern der privaten Lebens- und staatlichen Fürsorge. Ein Minus von 0,6 Prozent verzeichnet der Fachbereich Steuerrecht.
Mehr Anwälte namens Niklas, Lukas und Mohammed
Bei den Vornamen führen Anwälte namens Michael (4.423), Christian (4.204) und Thomas (3.888) weiterhin das Ranking an. Jedoch holen andere Vornamen auf: Im Vorjahresvergleich ist der Anteil an Anwälten mit dem Vornamen Niclas bzw. Niklas um 13 Prozent und Lucas bzw. Lukas um 11,7 Prozent angestiegen. Auch Mohammed (alternative Schreibweisen Muhammed bzw. Mohamed) gehört zu den Vornamen, die mit einem Plus von 10 Prozent häufiger vertreten sind als 2025.
Unter den weiblichen Vornamen sind unverändert Maria (1.984) und Julia (1.721) an der Spitze. Anna rückt mit 1.609 Anwältinnen, die den Namen tragen, um einen Rang nach oben. Im Hinblick auf den höchsten Anstieg landen Anwältinnen mit dem Vornamen Marie ganz vorne (+9,6 Prozent). Mit Aylin gehört ein weiterer Vorname, der auf einen Migrationshintergrund hinweist, mit 9,1 Prozent zu den Namen mit dem größten Plus. Auch Anwältinnen namens Lena gibt es seit dem Vorjahr um 6,8 Prozent häufiger.
Jurafuchs-Gründer: Branche wandelt sich vor dem Hintergrund herausfordernder Zeiten.
„Unsere Analyse zeigt, dass der Frauenanteil unter Deutschlands Anwältinnen und Anwälten zuletzt leicht angestiegen ist. Angesichts dessen, dass mittlerweile rund 60 Prozent der Studienanfänger im Fach Jura weiblich sind und eine überwiegend männlich geprägte Juristengeneration in den kommenden Jahren in den Ruhestand geht, dürfte sich dieser Wandel künftig zudem noch verstärken. Das bringt frische Impulse und Perspektiven in die Kanzleien, was ein gutes Zeichen ist“, kommentiert Dr. Carl-Wendelin Neubert, Mitgründer von Jurafuchs. Er ergänzt:
„Der Vergleich zeigt aber auch, wie eng wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen mit dem Rechtswesen verknüpft sind. Besonders sichtbar wird das bei den Fachgebieten: Während insbesondere das Insolvenz- und Sanierungsrecht sowie das Migrationsrecht wachsen, verzeichnen das Familien- und Sozialrecht zuletzt rückläufige Zahlen. Umso wichtiger wird eine zeitgemäße juristische Ausbildung, damit dem Nachwuchs die passenden Werkzeuge für die Praxis von morgen an die Hand gegeben werden. Mit unserem innovativen digitalen Lernansatz bei Jurafuchs, KI-gestützten Lerntools und praxisnahen Fallbeispielen wollen wir genau hier ansetzen und den Nachwuchs optimal auf diese Zukunft vorbereiten.“
Über die Untersuchung
Für den Vergleich wurden insgesamt 189.394 Einträge aus dem Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer berücksichtigt und im Hinblick auf den Standort, Namen und Titel ausgewertet. Für den Städtevergleich wurden die 200 größten deutschen Städte herangezogen (Stand der Untersuchung: 15. Juli 2026). Darüber hinaus wurden die Zahlen mit den Ergebnissen 2025 verglichen.













