Umfrage: AfD-Regierung würde Nachwuchsjuristen vom Staatsdienst in Sachsen-Anhalt abschrecken
01/09/2026
Richter, Staatsanwälte und Verwaltungsjuristen sind für einen funktionierenden Staat unverzichtbar. Doch ausgerechnet der juristische Nachwuchs könnte bei einer AfD-Regierung einen Bogen um Sachsen-Anhalt machen, wie eine Befragung der juristischen Lernplattform Jurafuchs unter 1.737 Jurastudenten und Rechtsreferendaren zeigt. Demnach würde die Bereitschaft zu einer Bewerbung im Staatsdienst des Landes in diesem Fall um fast 70 Prozent sinken. Dabei warnt der Bund der Richter und Staatsanwälte in Sachsen-Anhalt bereits heute vor einer personellen Krise in der Justiz und das Justizministerium möchte jährlich bis zu 40 Proberichter für den Justizdienst des Landes einstellen.
Bei AfD-Regierung bricht Bewerbungsbereitschaft von Nachwuchsjuristen in Sachsen-Anhalt ein
Grundsätzlich ist das Interesse am Staat als Arbeitgeber groß. 79,9 Prozent der Befragten können sich vorstellen, später als Richter, Staatsanwalt oder in einem Ministerium beziehungsweise einer Behörde zu arbeiten. Wie stark die politische Führung die Arbeitgeberattraktivität Sachsen-Anhalts beeinflussen könnte, zeigt der direkte Vergleich: Von denjenigen, für die eine Karriere im Staatsdienst infrage kommt, könnten sich bei einer Alleinregierung der AfD nur 17,7 Prozent eine Bewerbung in Sachsen-Anhalt vorstellen. Ohne AfD-Regierungsbeteiligung wären es 57,7 Prozent. Die Bewerbungsbereitschaft würde damit um knapp 70 Prozent zurückgehen.
Dass dieser Effekt nicht nur von weit entfernten Studierenden getragen wird, zeigt der Blick auf das direkte Umfeld Sachsen-Anhalts. Unter den 289 befragten Nachwuchsjuristen, die im Land oder höchstens 100 Kilometer Luftlinie von der Landesgrenze entfernt studieren, ist der Unterschied sogar noch größer. 61,6 Prozent können sich ohne AfD-Regierungsbeteiligung eine Bewerbung vorstellen, bei einer AfD-Alleinregierung sind es lediglich 15,2 Prozent. An der Universität Halle-Wittenberg, an der alle Befragten aus Sachsen-Anhalt studieren, sinkt der Anteil von 74,2 auf 25,8 Prozent. Allerdings basiert diese Auswertung lediglich auf 31 Befragten.
Jurafuchs-Mitgründer: „Wer will unter AfD-Regierung überhaupt noch für das Land arbeiten?”
„Die AfD spricht vor der Wahl offen darüber, den Staatsapparat in Sachsen-Anhalt personell deutlich umzubauen und plant, in Regierungsverantwortung bis zu 200 Stellen neu zu besetzen. Doch unsere Umfrage lenkt den Blick auf ein ganz anderes Personalproblem: Eine AfD-Regierung könnte es Sachsen-Anhalt erheblich erschweren, künftig qualifizierte Juristen für den Staatsdienst zu gewinnen. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass selbst im direkten Umfeld Sachsen-Anhalts die Bereitschaft von Nachwuchsjuristen zu einer Bewerbung im Land von rund 62 auf nur noch 15 Prozent einbricht, wenn die AfD dort allein regiert“, kommentiert Dr. Carl-Wendelin Neubert, Mitgründer von Jurafuchs, die Umfrage. Er ergänzt:
„Für die Landtagswahl ist das ein nicht zu unterschätzender Faktor. Sachsen-Anhalts Justiz steckt mitten in einem Generationswechsel. Viele Richter und Staatsanwälte gehen in den Ruhestand und müssen durch qualifizierten Nachwuchs ersetzt werden. Während gerade viel darüber gesprochen wird, wen die AfD im Staatsapparat austauschen will, sollten wir deshalb mindestens genauso intensiv darüber sprechen, wer unter einer AfD überhaupt noch für diesen Staat arbeiten will. Aus juristischem Personalmangel wird nämlich schnell ein Problem für die Bürger, die dann jahrelang auf ein Urteil, monatelang auf eine Genehmigung oder schlicht zu lange auf wichtige Entscheidungen des Staates warten müssen.”
Methodik
Für die Umfrage wurden insgesamt 1.737 Jurastudenten, Rechtsreferendare und weitere juristische Nachwuchskräfte über die Jurafuchs-Lernplattform im Zeitraum vom 27.08.2026 bis zum 31.08.2026 dazu befragt, ob sie sich grundsätzlich eine Tätigkeit im Staatsdienst und eine Bewerbung in Sachsen-Anhalt unter unterschiedlichen politischen Mehrheitsverhältnissen vorstellen können. Den Fragen zur Bewerbung in Sachsen-Anhalt liegen die Antworten der 1.295 Befragten zugrunde, die eine Tätigkeit im Staatsdienst grundsätzlich für sich in Betracht ziehen und alle weiteren Fragen vollständig beantwortet haben. Die Befragung ist nicht bevölkerungsrepräsentativ, bildet aber gezielt jene Gruppe ab, aus der die Länder ihren juristischen Nachwuchs rekrutieren.













