Wo Deutschland nach Recht sucht: Diese Städte und Rechtsgebiete stechen besonders hervor
29/06/2026
Ob Kündigung, Bürgergeld oder Bußgeldbescheid: Bei rechtlichen Fragen führt der erste Weg vieler Menschen heute nicht in die Kanzlei, sondern zur Suchmaschine. Doch wo in Deutschland ist das Interesse an rechtlichen Informationen besonders groß und welche Rechtsgebiete beschäftigen die Menschen am meisten? Um diese Fragen zu beantworten, hat die führende juristische Lernplattform Jurafuchs die Online-Suchanfragen zu 40 Begriffen aus acht Rechtsgebieten in den 50 größten deutschen Städten ausgewertet und zur besseren Vergleichbarkeit ins Verhältnis zur regionalen Google-Reichweite gesetzt.
In den neuen Bundesländern ist das Interesse an Rechtsthemen besonders groß
lem in zwei ostdeutschen Städten informieren sich Menschen besonders häufig online über rechtliche Fragen: Rostock führt das Ranking mit einem anteiligen Suchvolumen von 1.931 Anfragen pro Monat und 100.000 Nutzerinnen und Nutzern an und liegt mit diesem Wert knapp vor Halle (1.928). Platz drei belegt Ludwigshafen am Rhein (1.633), gefolgt von Wuppertal (1.610) und Saarbrücken (1.567). Mit Potsdam (1.546, Platz sieben) schafft es zudem eine weitere ostdeutsche Stadt in die Top Ten. Zum Vergleich: Der städteübergreifende Durchschnitt liegt bei 979 Anfragen pro 100.000 Nutzer.
Das geringste Interesse an Rechtsthemen zeigt sich hingegen in Bonn. In der ehemaligen Bundeshauptstadt werden lediglich 346 monatliche Anfragen je 100.000 Nutzerinnen und Nutzer registriert. Ebenfalls niedrig fällt das Suchinteresse in Frankfurt am Main (385), Nürnberg (659), Düsseldorf (675) und Karlsruhe (734) aus. Auffällig ist zudem, dass sich unter den 20 Städten mit dem geringsten Suchinteresse keine einzige ostdeutsche Stadt befindet.
Diese Rechtsgebiete beschäftigen die Menschen besonders
Auch die einzelnen Rechtsgebiete werden online unterschiedlich stark nachgefragt. So liegt das Strafrecht mit durchschnittlich 272 Anfragen pro Monat und 100.000 Nutzerinnen und Nutzern mit Abstand vorn. Dahinter folgen das Sozialrecht (222), Arbeitsrecht (173), Verkehrsrecht (105), Steuerrecht (99) und das Familienrecht (48). Das geringste Suchinteresse entfällt auf das Mietrecht (35) sowie das Erbrecht (25).
Allerdings zeigen sich hier ebenfalls deutliche regionale Unterschiede. Um diese sichtbar zu machen, hat Jurafuchs untersucht, welche Rechtsgebiete im Vergleich zum jeweiligen Suchniveau der einzelnen Städte überdurchschnittlich oft gesucht werden. Die größte Abweichung zeigt sich beim Strafrecht: In Gelsenkirchen wird 53 Prozent häufiger nach strafrechtlichen Themen gesucht, als es für die Stadt insgesamt zu erwarten wäre. Den Spitzenwert beim Sozialrecht erreicht Essen, wo die Suchanfragen 32 Prozent über dem Stadtdurchschnitt liegen. Beim Verkehrsrecht liegt Stuttgart, Heimat von Automobilherstellern wie Porsche und Mercedes-Benz, mit einem um 27 Prozent erhöhten Suchinteresse vorn.
Ein Ost-West-Gefälle zeigt sich hingegen beim Mietrecht. Während Freiburg und Aachen mit einem um 32 beziehungsweise 27 Prozent erhöhten Suchinteresse die Spitzenplätze belegen, stammen die sieben Städte mit dem geringsten Interesse ausschließlich aus dem Osten der Bundesrepublik. In Chemnitz, Rostock, Dresden, Magdeburg, Halle, Erfurt und Potsdam liegt das Suchinteresse an mietrechtlichen Themen zwischen 26 und 46 Prozent unter dem jeweiligen Stadtdurchschnitt.
Jurafuchs-Gründer: Zugang zu Rechtswissen wird einfacher, Einordnung wichtiger
„Was in der Medizin als ‚Dr. Google‘ bekannt ist, gibt es längst auch im Recht. Suchmaschinen und KI-Systeme machen juristische Informationen heute so zugänglich wie nie zuvor und sorgen dafür, dass rechtliche Fragen häufig zuerst online recherchiert werden“, kommentiert Dr. Carl-Wendelin Neubert, Mitgründer von Jurafuchs. Er ergänzt:
„Unsere Analyse zeigt, dass insbesondere solche Themengebiete stark nachgefragt werden, die Menschen unmittelbar im Alltag betreffen, also zum Beispiel strafrechtliche Vorwürfe, Fragen zu Sozialleistungen oder Probleme im Arbeitsverhältnis. Dazu passt, dass die Nachfrage nach Rechtsinformationen zum Mietrecht in westdeutschen Städten deutlich höher ausfällt als in ostdeutschen, wo die Wohnkosten vielerorts niedriger sind. Ähnlich verhält es sich mit dem hohen Interesse an sozialrechtlichen Themen in Essen, das mit der vergleichsweise hohen Arbeitslosigkeit in der Stadt zusammenhängen könnte. Umgekehrt bedeutet ein geringes Suchvolumen allerdings nicht automatisch, dass ein Thema vor Ort keine Rolle spielt. Es kann auch ein Hinweis darauf sein, dass Menschen leichter Zugang zu rechtlicher Beratung oder anderen Informationsangeboten haben.
Klar ist jedoch, dass sich Menschen bei rechtlichen Fragen heute häufig zunächst online orientieren. Das ist grundsätzlich eine positive Entwicklung, weil dadurch der Zugang zu rechtlichen Informationen niedrigschwelliger wird. Gleichzeitig verändert dies aber auch die Beziehung zwischen Ratsuchenden und Juristinnen und Juristen sowie die juristischen Berufsbilder. Viele Menschen kommen heute bereits mit online angeeigneten Informationen und Einschätzungen in Beratungsgespräche. Deshalb geht es in der Rechtsberatung immer weniger darum, Informationen bereitzustellen und vielmehr darum, sie einzuordnen, auf den konkreten Einzelfall anzuwenden sowie komplexe Zusammenhänge verständlich zu erklären. Dies verlangt nach Juristinnen und Juristen, die etwa Fehler einer überzeugend wirkenden künstlichen Intelligenz erkennen und die den Menschen verständlich erklären können, warum die KI falsch liegt. Unter anderem deshalb setzen wir bei Jurafuchs als Lernplattform für den juristischen Nachwuchs neben der bloßen Wissensvermittlung gezielt auf die Anwendung des Gelernten und die kritische Reflexion. Denn je einfacher der Zugang zu Rechtswissen wird, desto wichtiger werden Menschen, die daraus Orientierung machen können.“
Über die Untersuchung
Für den Vergleich wurde das Suchinteresse an Begriffen rund um Rechtsfragen, Gesetze und rechtliche Beratung im Alltag analysiert, indem die durchschnittlichen monatlichen Suchanfragen im Zeitraum von Mai 2025 bis April 2026 für die 50 größten deutschen Städte ermittelt wurden. Die Auswertung erfolgte anhand von acht spezifischen Keyword-Clustern (Fachbereichen), deren Volumina ins Verhältnis zur regionalen Google-Reichweite gesetzt wurden (anteiliges Suchvolumen je 100.000 Nutzerinnen und Nutzer).
Zusätzlich wurde für jede Stadt ermittelt, welche Rechtsgebiete dort im Vergleich zum jeweiligen Suchniveau der Stadt besonders häufig oder selten gesucht werden. Dabei wurde berücksichtigt, dass sich das allgemeine Interesse an Rechtsthemen zwischen den Städten deutlich unterscheidet. Zu diesem Zweck wurde zunächst berechnet, wie stark das Suchinteresse einer Stadt über alle acht Rechtsgebiete hinweg vom Bundesdurchschnitt abweicht. Auf dieser Grundlage wurde anschließend bestimmt, welches Suchinteresse für jedes einzelne Rechtsgebiet in der jeweiligen Stadt zu erwarten wäre. Die ausgewiesenen Prozentwerte geben an, um wie viel das tatsächliche Suchinteresse über oder unter diesem Erwartungswert liegt.
Die Analyse unterteilt sich in folgende Fachbereiche und Suchbegriffe: Arbeitsrecht: „Arbeitszeugnis“, „Aufhebungsvertrag“, „Kündigung“, „Kündigungsfrist“ und „Mindestlohn“. Erbrecht: „Erbe ausschlagen“, „Erbschaftsteuer berechnen“, „Erbschein beantragen“, „Gesetzliche Erbfolge“ und „Testament“. Familienrecht: „Anwalt Familienrecht“, „Düsseldorfer Tabelle“, „Scheidung“, „Trennung“ und „Unterhalt“. Mietrecht: „Anwalt Mietrecht“, „Eigenbedarfskündigung“, „Mieterschutzbund“, „Mietspiegel“ und „Mietvertrag“. Sozialrecht: „Bürgergeld“, „Elterngeld“, „BaFöG“, „SGB II“ und „Wohngeld Antrag“. Steuerrecht: „Einkommensteuergesetz“, „Steuer absetzen“, „Steuererklärung“, „Steuerklasse“ und „Steuerrecht“. Strafrecht: „Betrug“, „Einbruch“, „Stalking“, „StGB“ und „Untersuchungshaft“. Verkehrsrecht: „Blitzer“, „Bußgeldkatalog“, „Fahrverbot“, „MPU“ und „StVO“. Pro Fachbereich wurden jeweils fünf Suchbegriffe berücksichtigt.
Bei Frankfurt am Main wurden die einzelnen Bezirke (Kalbach-Riedberg, Bornheim/Ostend, Frankfurt am Main Nord-Ost, Frankfurt-Mitte-Nord, Frankfurt-Mitte-West, Frankfurt-Ost, Frankfurt-Süd, Innenstadt I, Innenstadt II & Innenstadt III) bei der Google-Suche herangezogen statt der gesamten Stadtregion.













