Geschlechterparität an Deutschlands Hochschulen: Weibliche Professoren weiterhin in der Unterzahl

Obwohl es diverse Programme an Deutschlands Hochschulen und Universitäten zur Förderung der Chancengerechtigkeit von Frauen und Männern gibt, ist zumindest beim Fachpersonal noch keine Geschlechterparität erreicht: An keiner von Deutschlands größten Lehranstalten ist der Anteil zwischen männlichen und weiblichen Professoren gleichmäßig verteilt. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Lernplattform Jurafuchs, bei der insgesamt 57 der größten Hochschulen und Universitäten Deutschlands zur Geschlechterverteilung unter Professoren bzw. Juniorprofessoren, Dekanen, Leitungen und Studierenden befragt wurden.

So groß ist der Anteil an Professorinnen je nach Hochschule
Die Universität Bielefeld kommt einer paritätischen Besetzung des Fachpersonals am nächsten: Mit anteilig 42 Prozent weiblicher Professorinnen sind an der nordrhein-westfälischen Universität die meisten Frauen angestellt. An der Freien Universität Berlin und an der Fachhochschule Münster sind 41,7 bzw. 41,3 Prozent der Professoren weiblich. Zum Vergleich: Der Schnitt aller untersuchten Hochschulen ist mit 30,0 Prozent deutlich geringer.

Zu den Schlusslichtern gehören hingegen drei Bildungseinrichtungen in Baden-Württemberg: Lediglich 19 Prozent und damit nicht mal jeder fünfte Professor am Karlsruher Institut für Technologie ist weiblich. Mit 20 Prozent ist die Frauenquote an der Universität Ulm ähnlich gering, gefolgt von der Universität Stuttgart mit 20,4 Prozent weiblicher Professoren.

Wissenschaftlicher Nachwuchs wird weiblicher
Ein ganz anderes Bild zeichnet sich unter Juniorprofessoren ab: Mit durchschnittlich 52,5 Prozent sind die weiblichen W1-Professoren sogar in der Überzahl. Besonders weiblich sind die Nachwuchskräfte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, wo 64,2 Prozent der Juniorprofessoren Frauen sind. Auch an der Tübinger Eberhard-Karls-Universität, an der Universität Siegen und an der Technischen Universität in Braunschweig arbeiten mit je 62,5 bzw. 61,1 Prozent vergleichsweise viele Juniorprofessorinnen.

Deutlich geringer ist der Anteil an W1-Professorinnen hingegen an der Universität Regensburg: Mit anteilig 27,3 Prozent bildet die bayerische Bildungseinrichtung das Schlusslicht – und ist die einzige Universität, an der die Frauenquote unter Professoren größer ist als unter Juniorprofessoren. Auch an der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover, an der Universität Trier und an der Universität Mannheim ist die Quote weiblicher Juniorprofessoren mit je 30 bzw. 31,4 Prozent ausbaufähig.

Nur rund jeder fünfte Dekan ist weiblich
Je höher es die Karriereleiter an Deutschlands Hochschulen und Universitäten hinaufgeht, desto geringer wird der Frauenanteil: Nur 22,2 Prozent aller Personen, die einen Fakultätsbereich leiten, sind weiblich. Eine Ausnahme bildet die Tübinger Eberhard-Karls-Universität, an der 66,7 Prozent und damit mehrheitlich Frauen das Amt der Dekanin bekleiden. An der privaten IU Hochschule werden 55,6 Prozent aller Fachgebiete von Frauen geführt. Mit immerhin 42,9 Prozent hat die Universität Bayreuth die dritthöchste Frauenquote unter den Dekanen. 

Vergeblich nach einer Dekanin sucht man an insgesamt sieben Bildungseinrichtungen: Ausschließlich männliche Dekane wurden an der Universität Paderborn, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, der Universität Greifswald, der FernUniversität in Hagen, der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn sowie an der Universität Mannheim gewählt.

Mit Blick auf die Rektoren bzw. Präsidenten werden 27 der 57 untersuchten Universitäten von einer Frau geleitet, was einem Anteil von 47,4 Prozent entspricht. Damit repräsentieren Deutschlands Hochschulen zumindest in der Führung eine annähernde Geschlechterparität.

Mehr weibliche als männliche Studierende
Während Frauen im Personal in Unterzahl sind, sind mit anteilig 51,8 Prozent mehr Frauen als Männer an den untersuchten Universitäten eingeschrieben. Am meisten weibliche Studierende gibt es mit je 63 Prozent an der Justus-Liebig-Universität Gießen und an der Universität zu Köln sowie an der Universität Greifswald und der IU Hochschule, wo jeweils 62 Prozent der Studierenden Frauen sind. Kleiner ist der Frauenanteil an dem Karlsruher Institut für Technologie (30 Prozent), an der Technischen Universität Darmstadt (32,7 Prozent) sowie an der Technischen Hochschule Mittelhessen (33,7 Prozent).

Besonders groß ist die Diskrepanz zwischen der Frauenquote unter Studierenden und Lehrenden an der Universität Leipzig, wo der Anteil an weiblichen Professoren (26,5 Prozent) um 34,7 Prozent zu weiblichen Hochschülern (61,2 Prozent) abweicht. Auch an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg ist der Unterschied zwischen Studentinnen und Professorinnen mit 34,3 bzw. 34 Prozent besonders groß.

An der Technischen Universität Berlin ist die Frauenquote unter Studierenden mit einer Differenz von nur 4,5 Prozent hingegen gering. Ähnlich gering fällt der Unterschied an der Universität Hamburg mit 5,2 Prozent und der Fachhochschule Münster (7,2 Prozent) aus. Zum Vergleich: Über alle Universitäten und Hochschulen hinweg beträgt der Unterschied im Schnitt 21,8 Prozent.

Jurafuchs-Gründer: Studium legt Grundstein für die Geschlechtergerechtigkeit im Berufsleben.
„Obwohl Frauen mit rund 52 Prozent die Mehrheit der Studierenden an deutschen Hochschulen stellen, liegt ihr Anteil unter Professorinnen und Professoren im Schnitt nur bei etwa 30 Prozent. Auf dem Weg zur Geschlechterparität im Wissenschaftsbetrieb ist also noch einiges zu tun. Immerhin: Unter Juniorprofessuren liegt der Anteil von Frauen bereits auf einem ähnlichen Niveau wie unter Studierenden. Das macht Hoffnung für die Zukunft und zeigt, dass sich etwas bewegt. Jedoch lässt der niedrige Frauenanteil bei den Professoren im Vergleich zu den Juniorprofessoren vermuten, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen immer noch schwierig ist“, kommentiert Jurafuchs-Mitgründer Dr. Carl-Wendelin Neubert die Ergebnisse. Er ergänzt:

„Als Unternehmen, das eng mit der universitären Ausbildung verbunden ist, beschäftigen wir uns auch bei Jurafuchs intensiv mit Fragen der Geschlechtergerechtigkeit. Gerade weil unser Gründerteam aus drei Männern besteht, ist es uns wichtig, Mitarbeiterinnen gezielt darin zu fördern, Verantwortung zu übernehmen, in unseren Lerninhalten bewusst mit Geschlechterklischees zu brechen und durch Umfragen wie diese auf die Thematik aufmerksam zu machen. Viele weibliche Jurastudierende erleben laut einer Umfrage unter unseren Nutzern, dass bestimmte Karrierewege noch häufig von männlich geprägten Netzwerken beeinflusst werden. Wir sind überzeugt, dass an den Universitäten der Grundstein dafür gelegt werden kann, derartige Strukturen in Zukunft aufzubrechen.“

Über die Untersuchung
Für den Vergleich wurden die insgesamt 85 größten Universitäten bzw. Hochschulen in Deutschland dazu befragt, wie viele Professoren bzw. Juniorprofessoren, Dekane und Studierende weiblich sind. Davon haben insgesamt 57 Universitäten bzw. Hochschulen eine Auskunft über die Zahlen gegeben. Die Zahlen stammen aus den Jahren 2024 bis 2026 (Stand der Untersuchung: 13. März 2026). 

Über Jurafuchs

Jurafuchs (www.jurafuchs.de) ist Deutschlands führende juristische Lernplattform. Die App vermittelt prüfungsrelevantes Wissen und juristische Fähigkeiten für das gesamte Jurastudium, das Rechtsreferendariat und darüber hinaus. Auf Grundlage aktueller lernwissenschaftlicher Erkenntnisse und durch unabhängige Studien belegt, ermöglicht Jurafuchs effektives und anwendungsorientiertes Lernen durch Interaktion, Gamification, Microlearning und KI-gestützte Funktionen. Mit über 20.000 monatlich aktiven Nutzern sowie mehr als zehn Millionen gelösten interaktiven Aufgaben pro Monat ist Jurafuchs die meistgenutzte Plattform ihrer Art. Strategische Partnerschaften mit 25 Top-Kanzleien und führenden Universitäten sowie diverse Auszeichnungen wie die Verleihung der prestigeträchtigen Comenius Edu Media Medaille 2025 unterstreichen die Marktführerschaft. Das Unternehmen wurde 2018 von Christian Leupold-Wendling, LLM. (Cambridge), Rechtsanwalt Dr. Carl-Wendelin Neubert und Steffen Schebesta gegründet.

Pressekontakt

Mediendateien