Gamification, Lernen

23 September 2023
Lesezeit: 5 minuten

Bereits nach 13 Tagen eine Gewohnheit

Christian
Leupold-Wendling, LL.M. (Cambridge)

„Wir sind das was wir wiederholt tun,“ sagt Aristoteles. Wer ein guter Jurist werden und bleiben möchte, sollte sich demnach wiederholt mit dem Recht auseinandersetzen. Über längere Zeiträume fällt das den meisten schwer. Was die Sache deutlich erleichtern kann: die Ausbildung einer Gewohnheit. Wer eine Gewohnheit für eine Verhaltensweise etabliert hat, dem geht dieses Verhalten leichter von der Hand. Es kostet dann deutlich weniger Willenskraft, Disziplin und Durchhaltevermögen als zu Anfang. Nützliche Gewohnheiten sind sehr wertvoll, weil sie über längere Zeiträume enorme Resultate hervorbringen können, die ohne Gewohnheiten undenkbar gewesen wären.

Die Verhaltens- und Gehirnforschung geht deshalb seit längerem der Frage nach, unter welchen Umständen nützliche Gewohnheiten entstehen. Klar ist, dass die Tätigkeit, die zu einer Gewohnheit werden soll, anfangs häufig wiederholt werden muss, bevor das Gehirn sie automatisiert. Die Frage ist nur: Wie oft? Wenn man den Grad der Automatisierung auf einem Koordinatensystem einzeichnet, entsteht folgendes Bild: Mit wachsender Wiederholung der Verhaltensweise steigt die Automatisierung immer weiter an, bis sie die Schwelle der Gewohnheit erreicht. Danach nähert sie sich immer weiter ihrem Höchststand an (mathematisch ist das eine Asymptote): 

Dieser Prozess kann sehr langsam sein. Die benötigte Zeit hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab, z.B. der Komplexität der Verhaltensweise, dem jeweiligen Auslöser der Verhaltensweise (context cue) und der (empfundenen) Belohnung nach verrichteter Tätigkeit. Eine Studie ergab, dass die Etablierung einer neuen Gewohnheit zwischen 16 und 254 Tagen dauert, im Schnitt 66 Tage.[1] Eine einfache Gewohnheit (etwa ein Glas Wasser morgens nach dem Aufstehen zu Trinken) lässt sich schneller erlenen, als eine anstrengende Verhaltensweise (z.B. jeden Tag 50 Sit-Ups zu machen). 

Bei Jurafuchs setzen wir auf Gamification Mechanismen, um Euch das tägliche Lernen zu erleichtern. Eine wichtige Hilfe dabei sind die sog. Streak-Tage, d.h. die Anzahl an Tagen, die ein Nutzer in Folge mit der Jurafuchs App gelernt hat. Es gibt dafür auch eine eigene Rangliste (Leaderboard), die Melanie mit einem Streak von mehr als zwei Jahren anführt:

Wir sind für Euch nun der Frage nachgegangen: Wieviele Tage dauert es im Schnitt, bis Ihr eine Gewohnheit entwickelt habt, so dass das tägliche Jura Lernen leichter von der Hand geht? Wir haben dazu die echten Lern-Meta-Daten aus der Jurafuchs Datenbank ausgewertet und daraufhin untersucht, wie hoch die Wahrscheinlichkeit auf jeder Streak-Stufe (d.h. Tag 1, Tag 2, Tag 3 etc.) ist, den Streak zu behalten, d.h. noch einen Tag hinten dran zu hängen. Dabei hat sich folgendes Bild ergeben, das uns überrascht hat:

Bereits bei einem Streak von 13 Tagen (d.h. wenn unserer Nutzer ohne Pause 13 Tage in Folge täglich mit Jurafuchs gelernt haben), steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihren Streak nicht mehr verlieren, auf über 90%!

Wenn Du also mal wieder mit Deiner Lern-Motivation kämpfst (so wie wir es in unserer Examensvorbereitung ständig getan haben), wenn die Klausuren- und Examensvorbereitung schwer von der Hand geht, halte durch und mach Dir eines bewusst: Sobald Du 13 Tage Lernen in Folge schaffst, schaffst Du auch ein, zwei, drei oder mehr Jahre. 


[1] Lally, P., van Jaarsveld, C. H. M., Potts, H. W. W., & Wardle, J. (2010). How are habits formed: Modelling habit formation in the real world. European Journal of Social Psychology. October 2010. 40(6), 998–1009, https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/ejsp.674

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